Instandsetzung von Stahlsteindecken
Stahlsteindecken sind mit Stahl bewehrte Steindecken, bei denen die aus Ton bestehenden Hohllochsteine nicht nur als Deckenhohlkörper dienen, sondern auch zur Spannungsaufnahme herangezogen werden. Neben einer ausreichenden Eigenfestigkeit, müssen die Steine so untereinander verbunden sein, dass eine einwandfreie Übernahme der Druckkräfte gewährleistet ist. Die in den Fugen zwischen den einzelnen Steinen eingelegten Bewehrungsstähle aus Rund- oder Formstahl müssen so in reinen Zementmörtel eingebettet sein, dass neben der gesicherten Spannungsübernahme auch der Korrosionsschutz der Bewehrung gewährleistet ist.

Stahlsteindecken wurden in den 40er Jahren im großen Umfange vor allem bei Kellerdecken im Wohnungsbau eingesetzt. Ein besonders in Berlin noch häufig anzutreffender Deckentyp ist die sogenannte Klein'sche Decke.
Aufgrund hoher Luftfeuchtigkeit in den ungeheizten Kellern und Feuchtigkeitsschäden in Rohrbereichen kommt es zu starken Korrosionsschäden an den Stahlsteindecken. Man muss dabei berücksichtigen, dass die in der seinerzeit gültigen Norm DIN 1046 (Stahlsteindecken, Ausgabe 43) geforderte Mörtelqualität B 120 nach heutigen Erkenntnissen nicht zum dauerhaften Korrosionsschutz der Bewehrung über einen Zeitraum von 60 Jahren ausreichte. Man kann davon ausgehen, dass die an der Unterseite der Decken verlegten Bewehrungsstähle voll im karbonatisierten Mörtel liegen und bei ausreichendem Feuchtigkeitsangebot korrodieren.
Wiederherstellung der Tragfähigkeit im Spritzverfahren
Welche Möglichkeiten bestehen, um solche Decken wieder in einen bausicheren Zustand zu versetzen, ohne die Mieter umzusetzen, bzw. brandgeschädigte Decken abzureißen?
Man kann davon ausgehen, dass der Druckbereich der Decken noch in Ordnung ist und dass die durch das Rosten der Bewehrung verursachten Absprengungen sich auf die Unterseite beschränken. Zur Wiederherstellung der Tragfähigkeit reicht es aus, die korrodierten Bewehrungsstähle wieder zu ersetzen und so in den Beton einzubetten, dass eine Verbundwirkung mit der alten Decke hergestellt wird und damit die Spannungsaufnahme und der dauerhafte Korrosionsschutz gewährleistet ist. Die Durchführung dieser Maßnahme erfolgt im Spritzverfahren:
Abstützen der Decke, so dass beim Abstemmen schadhafter Teile keine Einsturzgefahr besteht
Abstemmen von schadhaftem und zerstörtem Mörtel bzw. der Steinsubstanz; meist wird ein großer Teil des unteren Plattenstreifens mit entfernt
Heraklithstreifen, Perimeterdämmung o.ä. in die geöffneten Hohlräume einlegen
Einbau der zum Ersatz der durchrosteten Eisen erforderlichen Rund- und Flacheisen
Stege und fehlende Bereiche des unteren Plattenstreifens mit Spritzbeton ersetzen
Zur Sicherstellung des Korrosionsschutzes der Bandeisen kann eine zusätzliche Spritzbetonschicht aufgetragen werden, der den Bewehrungsstahl einschließt und Zutritt von Wasser verhindert.
Weitere Möglichkeiten zur Sicherung der Stahlsteindecke
Mattenbewehrung bei stark geschädigten Decken
Bei stark geschädigten Decken gibt es die Möglichkeit die Decken durch eine zusätzliche Bewehrung, meistens aus Mattenbewehrung, zu ertüchtigen. Die Mattenbewehrung wird unterhalb der Bandeisen mittels 4 Dübel oder Anbinden mit Draht an der intakten Bandeisenbewehrung befestigt und mittels einer zusätzlichen Spritzbetonschicht von d = 2 bis 5 cm eingebunden. Somit erhält die Decke eine durchgehende zusätzliche Zugbewehrung, die an der Unterseite der Stahlträger befestigt wird und durch die kraftschlüssige Verbindung des Spritzbetons statisch voll angesetzt werden kann.
Brandschutz mittels Spritzbeton im Trägerbereich
Bei der Instandsetzung der Kellerdecken besteht auch die Möglichkeit, die Stahlträger mittels Spritzbeton brandtechnisch zu ertüchtigen. Hierzu ist ein Putzträger am Stahlträger zu befestigen und der Stahlträger mit d = 2 – 3 cm Spritzbeton zu ummanteln.
Erhöhung der statischen Traglast
Bei einer Erhöhung der statischen Traglast kann die zusätzlich an der Unterseite angebrachte Bewehrung noch durch Endauflager ergänzt werden, welche als Bewehrung mittels Hilti-Hit-System im Wand- oder Auflagerbereich eingeklebt werden. Diese Lasterhöhungsmaßnahme ist durch einen Statiker zu berechnen, die Maßnahmen, insbesondere der Bewehrungseinbau, sind durch diesen abnehmen zu lassen.
Die hier beschriebenen Methoden bieten eine wirtschaftliche und technisch erprobte Möglichkeit, auch alte und stark angegriffene oder durch Brand geschädigte Stahlsteindecken, ohne wesentliche Erhöhung des Deckeneigengewichtes, wieder instand zu setzen.






